Joanna Macy, Philosophin, Tiefenökologin u.v.m., erzählt über den Ulmentanz:
„Es gibt einen Kreistanz, den ich in jedem Workshop mit den Teilnehmern tanze, einfach um unsere Aufmerksamkeit zu wecken und auf die Welt um uns herum zu richten und um unsere Absichten zu stärken, unsere Absicht, einen Beitrag zur Heilung der Welt zu leisten.
Heute ist der Tanz mit sehr, sehr vielen Erinnerungen, Situationen und Menschen verknüpft. Während ich mit den anderen verbunden die Schritte tanze, erinnere ich mich an diejenigen, die den Tanz in den 1980er Jahren zu mir brachten: Hannelore, eine Freundin aus Deutschland, die ihn von ihrer Freundin Anastasia kennen lernte, die den Tanz zu einen lettischen Song und der Ulme-Bachblüte kreiert hatte. Der Tanz ist nicht nur, um Heilung für die sterbenden Ulmen zu bringen, sagte Anastasia zu Hannelore und diese zu mir, er ist auch für Absichten. Und, um unsere Fähigkeit zu stärken, eine Wahl zu treffen und dem Entschluss zu folgen, den unsere Herzen gefaßt haben.
Und jedes Mal, wenn wir die Musik einlegen, uns die Hände reichen um den Kreis zu bilden, dann gehen meine Gedanken nach Novozybkov im Herbst 1992.“
Im Herbst 1992 arbeitete Joanna Macy mit den Leuten in Novozybkov, der Stadt mit der höchsten radioaktiven Belastung nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl. Mit Menschen, in deren Leben der Wald für Erholung und Arbeit, Picknicks, Spaziergänge und Pilzesuchen, Holzmachen und Beerensammeln eine extreme Bedeutung gespielt hatte und die wegen der unsichtbaren Verseuchung von einem Tag auf den anderen von diesen Gewohnheiten lassen mussten – auf jahrzehnte hin, über zukünftige Generationen hinaus. Sie gab diesen Menschen ein Versprechen: wo immer sie hinkäme von ihrer Geschichte zu erzählen. Davon, dass sie auch mit diesen Menschen den Ulmentanz geteilt hatte, dass er ihre Herzen geöffnet hatte und dass ein Symbol wurde für ihren Willen zu leben.
Niemand konnte ahnen, dass durch dieses Versprechen der Tanz einen Tanz um die Welt antreten würde, dass er sich verselbständigen und sich im eigenen Tanzschritt ausbreiten würde, mit ganz eigener Kraft und Absicht. Heute verbindet er Menschen auf der ganzen Welt, die ihn zu jedem Vollmond um 20:00 Ortszeit tanzen. Wie eine große Welle tanzt er um den blauen Planeten. Kündet denen, die sich mit der Erde verbinden und mit den Menschen, von all den anderen, die das Leben lieben, die ihre Versprechen geben und Solidarität mit allem Leben leben.

Ulmentanz in Lindenberg



Ulmentanz in Lindenberg bei der Konferenz "Insel im Chaos"